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GEORGE SAND
AUF DEN LIPPEN, HAHN-HAHN IN DER TASCHE
Ida Marie Luise
Gustave Gräfin von Hahn-Hahn wird am 22.6.1805 in Tressow
(Mecklenburg) als erste Tochter der Gräfin Sophie (geborene
von Behr) und des Grafen Karl von Hahn geboren. 1809
wird die Ehe der Eltern geschieden, Karl von Hahn wird entmündigt.
Familienehre und -vermögen der alten mecklenburgischen Adelsfamilien
haben durch die manische Theaterleidenschaft des Grafen schweren
Schaden genommen. Die Mutter zieht mit ihren
vier Kindern nach Rostock, dann nach Neubrandenburg und schließlich
nach Greifswald, wo Ida zur Schule geht und 1826 ihren Vetter,
den Grafen Friedrich von Hahn-Basedow heiratet. 1829
wird die Ehe aufgelöst. Sie nimmt ihren Mädchennamen
wieder an. Ihre taubstumme und geistig behinderte Tochter Antonie
wird geboren. Nach einigen Gedichtbänden
veröffentlicht sie 1838 mit "Ida Schönholm"
ihren ersten Roman, der ein beispielloser Erfolg wird. Eine ganze
Generation junger Frauen erkennt sich in Ida-Ida wieder, die
von sich sagt: "Meine Seele ist von der Art, daß sie
gewinnt, wenn die Schleier fallen. Ich stelle mich nicht zu hoch,
ich weiß sehr wohl, daß es Millionen schönere
Weiber gibt, tausend klügere, einige bessere, allein was
Herz und Phantasie betrifft, so suche ich wieder unter Millionen
meinesgleichen."
1839 schreibt sie ihren zweiten, ebenso erfolgreichen Roman und
absolviert die obligatorische Italienreise. Dann bereist sie
ganz Europa. Schließlich den Orient, das höchste der
Gefühle! Eine deutsche Adlige unter Muselmanen! Eine emanzipierte
junge Frau nächtigt im Zelt der Beduinen! Die Berichte über
ihre Reisen sind Bestseller. Fürst Pückler macht ihr
den Hof. "Humbold erweist ihr die größte Aufmerksamkeit".
Sie ist prominent.
"Berlin ist groß und wimmelt zu allen Zeiten von Literaturfreunden
beiderlei Geschlechts; dilettierende Lieutenants, sentimentale
Jungfrauen im Schiller-Stadium und emanzipationssüchtige
mit George Sand auf den Lippen und der Hahn-Hahn in der Tasche",
schreibt der junge Theodor Fontane. Ihre Eitelkeit
ist ein vielbesprochenes Thema, ebenso ihre Bescheidenheit, ihre
Schönheit wie ihre Häßlichkeit, ihre Libertinage
wie ihre Prüderie, ihre angebliche Liebe zu Frauen, zu Beduinen,
zu Demokraten, zu Reaktionären - die Gräfin irrisiert. Nun ist sie sehr prominent.
1840 kommt die Wende. Im Verlauf einer tragischen Liebesgeschichte
unterzieht sie sich einer Augenoperation. Plötzlich fühlt
sie sich durch einen bis dahin als "charmant" empfundenen
leichten Silberblick entstellt- und verliert das linke Auge.
Ihre Reisetätigkeit nimmt manische Züge an: "Es
treibt mich hinaus. Flucht! Flucht!" Wieder fährt sie
in den Orient, für ein ganzes Jahr diesmal. Smyrna, Beirut,
Damaskus, Jerusalem. Sie bleibt einige Monate in Ägypten.
1844 erscheinen die vierbändigen "Orientalischen
Reisebriefe". Neue Reisen, in den Norden, nach Irland, nach
Sizilien und Spanien. Gehetzt durcheilt sie Europa - und kapituliert
1850. Die Flucht ist mißlungen. Die Gräfin aus altem
protestantischem Adel bittet darum, in die Katholische Kirche
aufgenommen zu werden. 1851 distanziert sie sich
von allen vor ihrer Konversion geschriebenen Werken und versucht
Neuauflagen zu verhindern. 1854 gründet
sie nach einem Noviziat im Kloster Angers das Stift "Zum
guten Hirten" in Mainz, als Rettungsstätte für
unverheiratete Mütter und finanziert es aus eigenen Mitteln.
Sie lebt selbst im "Guten Hirten", in einer kleinen
Kammer wie die gefallenen Mädchen. Sie schreibt nun Mariengedichte
und historisch-apologetische Schriften. 1860-80
kehrt sie zum Roman zurück und verfaßt vierzehn "katholische
Romane." 1880 stirbt sie.
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